Mut zur Verletzlichkeit

Sarah kann sich nicht mehr daran erinnern, wovon sie als Kind wirklich geträumt hat. Für kurze Zeit wollte sie Ärztin werden, aber das war nur ein kurzlebiger Traum. An was sich Sarah noch gut erinnern kann ist, dass sie schon von klein auf nie so ganz wusste in welche Richtung ihr Leben gehen sollte. Das Gefühl der Sinnlosigkeit und Leere wurde mit den Jahren immer stärker und sie begann die Suche nach der Lösung für dieses Dilemma.

Für einige Zeit fand sie ihren “quick fix” im Party machen, Trinken, Rauchen und mit Freunden abhängen. Im Moment fühlte es sich gut an, aber auf Dauer füllte es nicht die Leere in ihr.
“Ich war unsicher, identitätslos und innerlich einsam. Ich war überfordert von den unendlich vielen Möglichkeiten von Dingen, die ich aus meinem Leben hätte machen können und fand es gleichzeitig schwierig konkrete Schritte zu gehen, ohne eine große Vision im Leben zu haben.”

Sarahs Unsicherheit führte dazu, dass sie einfach in den Tag hinein lebte. Für den Moment fühlte es sich dann meistens gut an, wenn dieser Moment vorbei war, aber wieder weniger. Genauso, wie sich der Kater am Morgen nach einer durchzechten Nacht auch eher weniger gut anfühlt.

 
Die große Frage, die Sarah sich stellte, war: Wozu das Ganze? Wozu lebe ich überhaupt? Darauf wusste sie keine Antwort. Doch mit der Unwissenheit und mit der Oberflächlichkeit mit der sie ihr Leben lebte, gab sie sich irgendwann nicht mehr zufrieden. 

Zu recht so: Eine Mehrheit von Wissenschaftlern stimmt darin überein, dass es positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat, wenn man einen Sinn im Leben hat. Eine Studie, die von der “Proceedings of the National Academy of Science” veröffentlicht wurde, beweist sogar, dass das Gefühl nach etwas im Leben zu streben auf so ziemlich jeden Aspekt des Lebens einen positiven Einfluss hat, wie z. B. soziale Interaktion, psychologische und emotionale Erfahrungen und Stabilität, materieller Wohlstand, Schlaf und Hobbies.

 
Auch Verletzlichkeit hat eine Auswirkung auf die mentale Gesundheit und Lebensqualität von uns Menschen. Das fand die Forscherin, Professorin und Autorin Brené Brown in diversen Studien heraus. “In unserer Kultur assoziieren wir Verletzlichkeit mit Emotionen, die wir gern vermeiden würden, wie Angst, Scham und Ungewissheit. Dabei verlieren wir oft aus den Augen, dass Verletzlichkeit auch der Geburtsort für Freude, Zugehörigkeit, Kreativität, Authentizität und Liebe ist.” (Wen das interessiert: Unter diesem Blogbeitrag habe ich einige Quellen zum Weiterlesen aufgelistet.)

Das lernte Sarah auf ganz besondere Art und Weise. Für sie machten zwei Sachen einen wirklichen Unterschied in ihrem Leben, das für so lange Zeit von Unsicherheit und Richtungslosigkeit bestimmt war:

Sarah entschied sich dafür ihr Leben mit Jesus zu leben. Er gab ihrem Leben einen Sinn und half ihr sich selbst und anderen Menschen zu vergeben, die ihr böses getan hatten. Ihre Beziehung zu Gott ist nicht in erster Linie von Regeln und Geboten geprägt, sondern von einer Freundschaft, in der sie sich bedingungslos geliebt und geborgen weiß. Und sie weiß: “Gott hat einen Plan für mich und er hat mich aus einem bestimmten Grund geschaffen. Meine Existenz, mein Leben, hat einen Sinn und ein Ziel.”

Außerdem entschied sich Sarah dazu sich verletzlich zu machen und sich vertrauten Personen anzuvertrauen. Sich anderen zu öffnen nahm eine Last von ihren Schultern, die sie nicht allein tragen musste. “Man sollte durch belastende Situationen und Schwierigkeiten nie komplett allein durchgehen. Es ist so wichtig sich Menschen mitzuteilen. Und manchmal denken wir, dass es nur uns so geht, oder nur wir schlimme Sachen durchmachen. Aber das stimmt nicht. Jeder hat seine Geschichte und wir sind nicht allein damit.” 

Als Sarah anfing sich anderen gegenüber zu öffnen, lernte sie folgendes:


1. Solange man schweigt und Dinge in sich hinein frisst, merkt man oft nicht, was für Lügen und Unsinn man eigentlich glaubt. Sobald man Dinge offen ausspricht, ist es nicht nur befreiend, sondern oft werden auch genau diese Lügen enttarnt.

2. Jemand Außenstehendes kann helfen die Dinge/ das Problem/ die Situation mit anderen Augen zu sehen. Ein Perspektivwechsel kann oft Klarheit schaffen und mögliche Lösungen auftun.

3. Dadurch, dass man sich öffnet, ist man plötzlich nicht mehr allein damit. Man teilt die Last und erleichtert sich das Leben vielmals.

4. Eine Vertrauensperson kann ein Freund/ ein Familienmitglied sein, oder auch ein Therapeut oder Seelsorger. Es liegt keine Scham darin sich professionelle Hilfe zu suchen.


5. Aus dem Herzen zu sprechen ist immer besser und hilfreicher, als sich genaue Worte zurechtzulegen.

6. Kurz vor einem Gespräch Angst zu bekommen und einen Rückzieher machen zu wollen ist normal. Aber man sollte es trotzdem durchziehen und sich daran erinnern: Niemand muss da alleine durch!


7. Umso öfter man sich verletzlich macht, umso normaler wird es. Es ist eine Übung, die es wert ist.

Um andere zu ermutigen erzählt Sarah auch öffentlich ehrlich von ihren Auf und Abs im Leben. Sie möchte damit Mut machen und anderen helfen. Und andere Menschen ermutigen möchte sie auch mit folgenden Worten:

“Du bist stark und kannst alles überwinden. Denke nicht, dass du alle Kämpfe allein durchstehen musst, denn du bist nicht alleine! Über Dinge zu sprechen ist sinnvoller, als sie zu verschweigen und vor allem Gott steht immer mit offenen Armen da und er hat einen guten Plan für dein Leben.”

Sarah, 27, Berlin

Zum weiterlesen:

Artikel über die Studie zum Sinn des Lebens: https://www.psychologytoday.com/us/blog/brain-waves/201901/the-power-purpose-and-meaning-in-life
Buch über Verletzlichkeit: The power of vulnerability, Brené Brown
TedTalk über Verletzlichkeit: https://www.ted.com/talks/brene_brown_the_power_of_vulnerability?language=de

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